Die Europäische Union und Deutschland suchen Wege aus der Immobilien-Krise. Im Juni 2026 fordert nun die EU-Kommission einen Kurswechsel beim Wohnungsbau. Baustandards stehen auf dem Prüfstand. Und Banken erwarten die Wende am deutschen Immobilienmarkt erst 2029.
- News 1: EU-Kommission fordert Wohnungsbau-Offensive
- News 2: Baustandards auf dem Prüfstand – Einfaches Bauen soll günstiger werden
- News 3: Micro-Living bleibt einer der Gewinner des Investmentmarktes
- News 4: Energiekosten erhöhen den Druck auf Vermieter
- News 5: Immobilienwende erst ab 2029 erwartet – EY-Bankenbefragung
- Fazit der Woche: Spürbare Dynamik der Neubau-Offensive
Die wichtigsten Entwicklungen der neuen Immobilienwoche im Überblick:
News 1: EU-Kommission fordert Wohnungsbau-Offensive
Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat Deutschland im aktuellen Länderbericht deutliche Reformempfehlungen für den Wohnungsbau mitgegeben. Die EU kritisiert darin sinkende deutsche Wohnungsbauinvestitionen (um 20% seit 2020), zu langsame Baugenehmigungsverfahren sowie hohe regulatorische Hürden. Statt zusätzlicher Mietregulierungen empfiehlt Brüssel schnellere Verfahren, einfachere Baustandards (z.B. Gebäudetyp E), noch mehr digitalisierte Prozesse, niedrigere Baukosten sowie eine bessere Mobilisierung neuen Baulands.
„Die EU-Kommission trifft den Nagel auf den Kopf”, findet Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Wir müssen weg von überzogenen Komfort- und Detailstandards, die Bauen immer teurer machen”, betont er. Entscheidend sei jetzt, dass die Bundesregierung die europäischen Empfehlungen konsequent in nationales Handeln übersetze, so Axel Gedaschko.
Warum das wichtig ist: Die EU stärkt damit die Position der Wohnungswirtschaft und Bauverbände, die schon seit Jahren ähnliche Kritik äußern. Für den Neubau könnten die geforderte Wohnungsbau-Offensive politischen Rückenwind für Reformen sowie Investitionsanreize bedeuten.
News 2: Baustandards auf dem Prüfstand – Einfaches Bauen soll günstiger werden
Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) – ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung – drängt auf eine grundlegende Reform der Baustandards. Künftig könnte, wenn deutsche Politiker dem NKR-Urteil folgen, eine einfache Grundausstattung zum Regelfall werden, berichtet das Handelsblatt. Zusätzliche höhere Komfortstandards müssten demnach dann individuell vereinbart werden. Rechtlich bindend für Erbauer wären lediglich baurelevante DIN-Normen, unterteilt in verschiedene Qualitätsstufen.
Die NKR-Experten prognostizieren dadurch Einsparpotenziale von bis zu 10% bei den Baukosten.
Warum das wichtig ist: Steigende Baukosten gelten als eines der größten Hindernisse für den Wohnungsneubau. Vereinfachte Standards könnten zahlreiche Projekte wieder wirtschaftlich machen – und Bauherren und Unternehmen anregen, neu zu investieren.
News 3: Micro-Living bleibt einer der Gewinner des Investmentmarktes
Studentisches Wohnen, Co-Living und Micro-Living – kurz Modernes Wohnen – verzeichnen weiterhin hohe Investorennachfrage. Nach Angaben von Coldwell Banker Richard Ellis (CBRE), globaler Anbieter von Immobilienlösungen, ist das Transaktionsvolumen deutlich gestiegen. Hohe Auslastungen und zusätzliche Service-Erlöse, u.a. für Möblierung, sorgen für attraktive Renditeperspektiven im Vergleich zum klassischen Wohnsegment.
In Top-Städten – mit besonders angespannten Mietmärkten – erreichen energieeffiziente Micro-Living-Kapitalanlagen eine besonders hohe Wirtschaftlichkeit. Die Einnahmestruktur hängt allerdings auch von individuell festgelegten Gebäude-, Service- sowie Verwaltungskosten ab.
Warum das wichtig ist: Der Boom zeigt, dass Kapital weiterhin in Wohnformen mit klarer Nachfrage fließt, besonders in angespannten Mietmärkten. Für Projektentwickler und private Investoren bleiben spezialisierte Wohnkonzepte wie Modernes Wohnen daher ein Wachstumsfeld.
News 4: Energiekosten erhöhen den Druck auf Vermieter
Ab Juli 2026 tritt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) in Kraft. Es hebelt die 65%-Pflicht für erneuerbare Energien bei Heizungen aus (Gebäudeenergiegesetz, GEG). Und die Politik debattiert nun über neue Regelungen, um Vermieter stärker an den steigenden Heizkosten zu beteiligen, wenn diese weiterhin auf fossile Heizsysteme setzen. Trotzdem hat moderne Energieeffizienz also weiterhin einen hohen Stellenwert in Deutschland.
So besagt auch die Ende Mai 2026 ratifizierte Änderung des Wärmeplanungsgesetzes (WPG), dass die umweltfreundliche, kommunale Wärmeplanung künftig vereinfacht wird – und damit schneller umsetzbar. Außerdem ermöglicht der Gesetzgeber nun legale Möglichkeiten für die gemeinschaftliche, private Nutzung sowie den Verkauf von Solarstrom (z.B. innerhalb der Nachbarschaft). Dieser überarbeitete Teil des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) ist seit Anfang dieses Monats in Kraft getreten.
Warum das wichtig ist: Die Rentabilität von Immobilien hängt künftig noch stärker von der Energieeffizienz ab. Neubauten sowie modernisierte Gebäude gewinnen dadurch zusätzlich an Attraktivität.
News 5: Immobilienwende erst ab 2029 erwartet – EY-Bankenbefragung
Den neuen Ergebnissen der aktuelle Bankenbefragung von EY-Parthenon zeigen es: Eine Wende am Immobilienmarkt ist noch nicht in Sicht – aber es besteht Hoffnung. EY-Parthenon, die spezialisierte Abteilung für transformative Strategie und Transaktionen der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), resümiert, dass vor allem der Beginn des Nahostkonflikts sowie die Blockade der Straße von Hormus auf die Stimmung der Branche drückt.
Und die aktuelle EY-Bankenbefragung kommt zu dem Schluss: Viele Institute erwarten eine nachhaltige Erholung des Immobilienmarktes erst in 3 Jahren – ab 2029. Besonders problematisch bleiben Refinanzierungsrisiken, hohe Finanzierungskosten sowie erwartete steigende Insolvenzen.
Schon jetzt hat sich die Quote von Non performing loans (notleidender Kredite) am deutschen Immobilienmarkt von 1,5% auf zuletzt beinahe 5% seit 2022 mehr als verdreifacht, so berichtet es der Immobilienbrief. Das Wohnsegment gilt als beste Assetklasse aber weiterhin als stabil – im Vergleich zum z.B. strauchelnden Bürosegment.
Warum das wichtig ist: Die Finanzierung bleibt der Schlüssel für neue Bauprojekte. Solange Banken vorsichtig agieren, dürfte die Neubautätigkeit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben – fatal auch für die jährlichen Neubau-Ziele der Bundesregierung.
Fazit der Woche: Spürbare Dynamik der Neubau-Offensive
Die Signale dieser Woche zeigen: Die Diskussion über Wohnungsbau, Baukosten und Investitionsbedingungen gewinnt spürbar an Dynamik.
Die Signale aus Brüssel, die Debatte um einfacheres Bauen sowie die zunehmende Bedeutung energieeffizienter Gebäude zeigen: Die Voraussetzungen für eine Neubau-Offensive sind in der Pipeline – und das klingt nach großer Hoffnung für Marktakteure sowie Immobilienkäufer.
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